Gesundheitszentrum für die Community

Checkpoint ist ein Gesundheitszentrum für die Community für schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, und für Transmenschen und ihre Angehörigen.

PEP & PrEP

Ich hatte Sex ohne Gummi oder das Präservativ ist gerissen. Muss ich drei Monate warten, bevor ich etwas tun kann?

Nein. Nicht warten! Lass dich so schnell wie möglich – auf jeden Fall innerhalb von 48 Stunden – beim Checkpoint oder im Notfall eines Spitals über eine PEP beraten.

PEP

PrEP

PEP

Eine PEP (Postexpositionsprohylaxe) ist eine antiretrovirale Behandlung bei einer HIV-negativen Person, um eine HIV-Infektion nach einem hohen Ansteckungsrisiko zu vermeiden.

Nach Sex mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko (Eindringen ohne Präservativ oder Präservativ gerissen, Sperma oder Blut im Mund mit einer HIV-positiven Person ohne wirksame Behandlung oder mit unbekanntem HIV-Status). Möglichst rasch, in jedem Fall aber innert 48 Stunden, während den Öffnungszeiten zum Checkpoint oder bei Tag und Nacht für eine PEP (Postexpositionsprophylaxe) in den nächsten Spitalnotfall gehen. Diese Behandlung kann das Infektionsrisiko nach einer Risikosituation senken. Sie ist mit der Behandlung von HIV-Positiven vergleichbar und erfolgt unter ärztlicher Kontrolle.

PEP ist keine «Pille danach», sondern eine Notfallbehandlung nach Ausnahmesituationen mit sehr hohem HIV-Risiko.

PEP ist keine dauerhafte Schutz- oder Präventionsstrategie. Die Behandlung ist teuer, wird aber von der Krankenkassen-Grundversicherung übernommen. Sie kann mit schweren Nebenwirkungen verbunden sein.

Was ist eine PEP?

PEP ist eine antiretrovirale Therapie, die nach einem hohen HIV-Ansteckungsrisiko zur Vermeidung einer Infektion angewendet wird. Sie wirkt nur, wenn damit gleich nach einer Übertragung von HIV begonnen wird, möglichst rasch, spätestens aber innert 48 Stunden. Eine PEP-Therapie muss vier Wochen lang durchgeführt werden.

In der Regel wird bei einer PEP-Therapie eine Kombination von drei Medikamenten verwendet. Die Einnahme der sehr wirksamen antiretroviralen Medikamente kann unangenehme bis beeinträchtigende Nebenwirkungen haben, wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen usw.

Wie sieht eine PEP-Therapie aus?

Nach der sexuellen Anamnese der Person wird ein HIV-Test durchgeführt, um eine allenfalls bereits vorhandene Infektion nachzuweisen.

Weitere Untersuchen werden zwei Wochen nach Beginn der PEP und am Ende der vierwöchigen Behandlung durchgeführt. Bei diesen Analysen werden die möglichen Wirkungen der Behandlung auf den Organismus (Leber, Nieren usw.) gemessen.

Drei Monate nach dem Ansteckungsrisiko muss ein HIV-Test bestätigen, dass keine Infektion vorhanden ist.

Während der ganzen Dauer der PEP-Behandlung und bis zum Test drei Monate nach der Risikosituation müssen die Betroffenen die Safer-Sex-Regeln einhalten.

Denn wenn es trotz PEP zu einer Infektion kommen sollte, wären die Betroffenen in dieser Zeit in der sehr infektiösen Phase der Primoinfektion.

Eine PEP-Behandlung ist verschreibungspflichtig und kostet zwischen 2000 und 3000 Franken. Dazu kommen die Kosten für die Arzttermine und Laboranalysen, die nötig sind, um die Wirkung auf den Organismus zu prüfen. Die Kosten werden bei erreichter Franchise abzüglich der 10 Prozent Selbstbehalt von der Krankenkasse übernommen.

Wie wirkt eine PEP? Und wie wirkt der Schutz?

PEP ist eine antiretrovirale Therapie wie die Behandlung von HIV-Positiven. Die Virenreproduktion soll dabei wirksam blockiert werden. Es ist also keine einmalige Einnahme von Medikamenten, denn die entsprechenden Medikamente müssen wie bei allen Antiretroviraltherapien über einen bestimmten Zeitraum (hier vier Wochen) unter strikter Einhaltung der Vorschriften eingenommen werden. Nur so sind genügend Medikamente im Körper vorhanden, um eine HIV-Infektion zu verhindern.

Gemäss einer älteren Studie beim Gesundheitspersonal mit HIV-Risiko betrug die Wirksamkeit der PEP auf AZT-Basis 80 Prozent. Mit den modernen Therapien, der Dreifachkombinationen, wie sie heute üblich sind, ist von noch grösserer Wirksamkeit auszugehen.

Wann ist eine PEP zu empfehlen und erhältlich?

Eine PEP ist grundsätzlich nach jeder vermuteten HIV-Exposition möglich, das heisst einer sexuellen Risikosituation dem Tauschen von vermutlich kontaminierten Spritzen und von Expositionen im Beruf (z. B. Gesundheitspersonal), im Spital oder an einem öffentlichen Ort..

Die Verschreibung einer PEP erfolgt nach einem Beratungsgespräch, bei dem das objektive Ansteckungsrisiko mit HIV, das heisst die Exposition und wenn möglich auch die Infektiosität der Indexperson (der möglichen Infektionsquelle, z. B. Sexualpartner/in), so genau wie möglich erfasst werden.

Dafür sollten neben dem HIV-Status wenn möglich auch das Infektionsstadium, der Behandlungsstatus und die Blutparameter (CD4-Zahl und Viruslast) der Indexperson bekannt sein.

Grundsätzlich wird die PEP nur bei einer Expositionsart mit sehr hohem Risiko und vermuteter oder erwiesener Infektiosität der Indexperson (z. B. Sexualpartner/in) empfohlen.

Konkret:

  • wird eine PEP empfohlen: 
    • Wenn der/die Sexualpartner/in HIV-positiv ist und entweder nicht unter Behandlung steht oder die Behandlungsergebnisse ungenügend sind. Oder nach folgenden Risikosituationen: ungeschützte Anal-/Vaginalpenetration (auch ohne Samenerguss), Oralverkehr mit Sperma oder Blut im Mund, Austausch von Spritzen.
    • Nach einer Vergewaltigung (ungeschützte Anal-/Vaginalpenetration (auch ohne Samenerguss), Oralverkehr mit Sperma oder Blut im Mund).
  • Eine PEP ist denkbar nach Hochrisikokontakten (siehe oben) mit einem/einer Sexualpartner/in, die aus einer Region oder Gruppe mit hoher HIV-Prävalenz stammt (z. B. Männer, die Sex mit Männern haben, Sexworker/innen, Migrantinnen und Migranten aus der Subsahara).
  • In allen anderen Fällen, beispielsweise wenn der/die Sexualpartner/in unter erfolgreicher Therapie steht, wird von der PEP abgeraten, z. B.:
    • der Sexpartner/die Sexpartnerin ist HIV+ und unter wirksamer Therapie
    • der HIV-Status des Sexpartners/der Sexpartnerin ist unbekannt, die Person stammt aber weder aus einer geografischen Region (z. B. Subsahara), noch einer Bevökerungsgruppe (Männer, die Sex mit Männern haben) mit hoher Prävalenz
    • Bei Stich- oder Schnittverletzungen durch liegen gelassene Spritzen und Ähnliches.
Ist eine PEP eine wirksame Präventionsmassnahme?

Eine PEP ist nicht hundertprozentig wirksam.

Die Wirksamkeit nimmt ab, je mehr Zeit zwischen der Risikosituation und dem Beginn der PEP vergangen ist.

Die PEP ist eine vierwöchige medikamentöse Behandlung, die unangenheme Nebenwirkungen (Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall etc.) zur Folge haben kann. Sie verlangt auch eine grosse Einnahmedisziplin.

Und schliesslich ist eine PEP mit erheblichen Kosten (2000–3000 CHF) verbunden, die teils die Versicherten (10% Selbstbehalt und Franchise) tragen.

PrEP

Die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) ist eine Möglichkeit für Menschen mit hohem HIV-Risiko, sich durch die Einnahme von Anti-HIV-Medikamenten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Die Medikamente müssen ausreichend lange vor sowie nach einem sexuellen Risikokontakt eingenommen werden. Dadurch ist ein weitgehender, aber nicht vollständiger Schutz vor einer HIV-Infektion gewährleistet.

Die PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragenen Infektionen oder vor Hepatitis und soll in Kombination mit anderen präventiven Massnahmen erfolgen.

Eine PrEP sollte von einem Arzt oder einer Ärztin mit Erfahrung in der Beratung auf dem Gebiet der sexuellen Gesundheit und in der Verwendung antiretroviraler Medikamente verordnet und überwacht werden. 

Unsere Stellungnahme zum Thema PrEP (HIV Präexpositions-Prophylaxe)

Im Januar 2016 hat die Eidgenössische Kommission für Sexuelle Gesundheit (EKSG) Empfehlungen zum Einsatz einer PrEP in der Schweiz herausgegeben. Download

Grundsätzlich befürwortet der Checkpoint Zürich die PrEP als zusätzliche Option des individuellen Risikomanagements zur Vermeidung einer Infektion mit HIV.

Gemäss EKSG muss zur Qualifikation für eine PrEP ein "substanzielles HIV-Risiko" vorhanden sein.

Untenstehend ergänzen wir die EKSG-Empfehlungen aus der Sicht des Checkpoint Zürich.

Wichtige Fragen, nützliche Antworten

Bevor der Entscheid für oder gegen eine PrEP gefällt wird, ist es besonders wichtig, die nachfolgenden Fragen zu beantworten:

  • Mit wie vielen Partnern hattest du ungeschützten Sex?
  • Auf welche Weise (Sexpraktiken) hattest du ungeschützten Sex?
  • Hattest du bereits sexuell übertragbare Erkrankungen wie Tripper, Chlamydien oder Syphilis?
  • Hattest du schon einmal eine HIV-Postexpositions-Prophylaxe (siehe PEP)?
  • Wo hattest du ungeschützten Sex (in der Schweiz, in anderen Ländern)?

Das Risiko einer HIV-Infektion bei ungeschütztem Sex in der MSM-Szene kann je nach Land grosse Unterschiede aufweisen. So ist das Infektionsrisiko zum Beispiel von der Zahl der unbekannten oder nicht behandelten HIV-Infektionen in diesem Land abhängig.

  • Wann (Zeitpunkt) wirst du ein HIV-Risiko haben?
  • Ist dein Risiko zeitlich begrenzt, z.B. bei einer grossen Party, in den Ferien, oder gehst du ein durchgehendes Risiko ein?

Bei Einnahme z.B. für den Schutz bei einer Party empfehlen die Europäischen HIV-Guidelines (EACS, Oktober 2015) die Einnahme von 2 Tabletten 2 bis 24 Stunden vor dem Sex, gefolgt von je einer Tablette 24 Stunden und 48 Stunden nach der ersten Einnahme.
Dauert das Risiko länger an, verlängert sich entsprechend die Einnahme.

Die Stellungnahme der EKSG ist bezüglich der Einnahmen bei Bedarf zurückhaltender.

Bei kontinuierlichem Risiko erfolgt die tägliche Einnahme einer Tablette.

Die passende PrEP

Auf der Basis deiner Bedürfnisse, der aktuellen Studienlage sowie der geltenden Empfehlungen werden wir mit dir die für dich passende Art der PrEP finden oder Alternativen aufzeigen.

Die PrEP besteht aus einer Kombination von Tenofovir (TDF) und Emtricitabin (FTC), mit Dosis 300/200mg (z.T. wird die TDF-Dosis angegeben als 245 mg des aktiven Metaboliten). Diese Kombination ist in der Schweiz unter dem Namen Truvada® erhältlich. Eine Truvada®-Pille kostet CHF 30.

Wir sind uns der Möglichkeit, auf eigene Initiative Medikamente über das Internet zu bestellen, bewusst.

Als in der Schweiz tätiges Unternehmen gibt der Checkpoint Zürich keine Medikamente ab, die in der Schweiz nicht zugelassen sind. Grundsätzlich können wir dir aber unsere ärztliche Begleitung anbieten.

Bitte bedenke: Tenofovir und Emtricitabin können Nebenwirkungen haben (siehe die EKSG-Empfehlungen). Die Abklärungen vor, während und nach der Einnahme helfen Nebenwirkungen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden (siehe "Praktische Durchführung" in den EKSG-Empfehlungen). Dabei sind insbesondere auch mögliche Wechselwirkungen mit im Alltag häufig verwendeten Medikamenten zu beachten.

Wer kommt für die Kosten der PrEP auf?

Die Kosten für die PrEP musst du gemäss den geltenden Bestimmungen in der Schweiz selbst übernehmen.

Medizinische Begleitung

Diese Information ersetzt nicht eine vertiefte Abklärung. Uns ist es sehr wichtig, dass eine PrEP zusammen mit einer angemessenen medizinischen Begleitung stattfindet. Diese umfasst Laboruntersuchungen zum Ausschluss einer HIV-Infektion vor dem PrEP-Start mit ausführlicher Risikoabklärung und Beratung, HIV-Tests in regelmässigen Abständen während der PrEP, den Ausschluss einer Hepatitis B-Infektion vor Start, Testung auf Tripper, Chlamydien, Syphilis, notwendige Impfungen, und die Beratung zur Vermeidung von PrEP-Nebenwirkungen sowie deren Überwachung mittels Blutkontrollen.

Gerne bieten wir dir unsere ärztliche Begleitung an.

Weitere Informationen

Übersicht der Deutschen AIDS-Hilfe zu Studien (PREP 2015 und 2016)
hivreport.de

Informationen von NAM (National AIDS Manual, UK) aus Sicht von Betroffenen
aidsmap.com

Info-Seite von 56DeanStreet (London)
getprep.uk

Stellungnahme BHIVA-BASHH (Fachgesellschaften HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen Grossbritannien
bhiva.org

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten/Drogen
hiv-druginteractions.org